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Thema: Protokollieren


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Du sollst protokollieren, d.h. ein Protokoll (griech.: prōtókollon sinngemäß „vorgeleimtes Blatt“) zu einem Experiment / Versuch anfertigen.
Was meint eigentlich in diesem Zusammenhang „protokollieren“?

Protokollieren bedeutet:
Erstellung eines schriftlich verfassten Textes (= Protokoll) zu einem Experiment.

Das Protokoll

  • verlangt eine Aussage, aus der hervorgeht, worum es in diesem Experiment geht,
  • zeigt den Weg zur Beantwortung der Frage bzw. zur Überprüfung der Vermutung / Hypothese,
  • ermöglicht, die Vorgehensweise beim Experimentieren kritisch zu überprüfen,
  • ist eine wichtige Grundlage für das weitere Arbeiten,
  • ermöglicht anderen Forschern, das Experiment exakt zu wiederholen bzw. zu überprüfen.

In den Naturwissenschaften kann auf das Erstellen eines Protokolls nicht verzichtet werden.
Die Bezeichnung für ein Protokoll im Biologieunterricht lautet „Versuchsprotokoll


Folgende Abschnitte bzw. Aspekte müssen in einem Versuchsprotokoll enthalten sein:

  1. THEMA
    Eine Überschrift, die Auskunft über den Inhalt bzw. das Ziel des Experimentes gibt.
    Diese kann in Form einer Aussage, häufig in Form einer Frage, einer Vermutung oder einer Hypothese, formuliert werden.
  1. MATERIAL / CHEMIKALIEN
    Aufzählung der im Experiment verwendeten Geräte, Chemikalien und anderer Materialien. Wenn möglich, sollten für alle Materialien auch Mengenangaben erfolgen. Hier werden auch die notwendigen Materialien zur Gewährleistung der Sicherheit genannt, wie z.B. Schutzbrille oder Wärmehandschuhe. Warnzeichen und Gefahrensymbole werden ebenfalls unter diesem Punkt aufgeführt (siehe auch Links im Zusatzmaterial ZM1Sicherheit im Biologieunterricht – versteht sich von selbst!“).
  1. AUFBAU (-SKIZZE)
    Skizzenhafte Darstellung des Experimentes / Versuchsaufbaus zur Verdeutlichung und Unterstützung der Ausführungen in der Durchführung. Eine Beschriftung der Skizze ist hilfreich.
    Bei einfachen Experimenten wird dieser Protokollpunkt nicht benötigt.
  1. VORARBEITEN
    Arbeitsschritte, die nicht zur eigentlichen Durchführung gehören, sondern diese nur vorbereiten. Dabei kann es sich darum handeln, dass eine Lösung für diesen Versuch angesetzt werden muss oder dass z.B. für die Untersuchung einer Banane auf Zuckergehalt, diese zuvor gemust werden muss.
    Es kann sinnvoll sein, derartige Arbeiten von der eigentlichen Durchführung zu trennen, um eine bessere Übersichtlichkeit zu gewinnen.
    Zu bedenken ist, ob diese Vorarbeiten auch in die Fehlerdiskussion mit einbezogen werden müssen!
    Es gibt Experimente, bei denen dieser Protokollpunkt nicht benötigt wird.
  1. DURCHFÜHRUNG
    Beschreibung der einzelnen Arbeitsschritte, die vorgenommen werden. Die Formulierungen müssen so verständlich und vollständig sein, dass eine fremde Person das gleiche Experiment anhand dieser Ausführungen durchführen kann.
    Bei umfangreichen bzw. komplizierten Experimenten ist es hilfreich, die Beschreibungen mit Hilfe von Ziffern oder Buchstaben zu untergliedern.
    Unter diesen Punkt gehören auch alle Aussagen zur Sicherheit, die bei den einzelnen Arbeitsschritten zu beachten sind!
  1. BEOBACHTUNG
    Darstellung der während des Experimentes gemachten Beobachtung(en), d.h. alles, was man sehen und/oder messen kann. Das Notieren der Beobachtung(en) erfolgt in Textform, in Form einer Tabelle oder Skizze.
    Hier dürfen noch keine Interpretationen vorgenommen werden!
  1. ERGEBNIS oder AUSWERTUNG oder DEUTUNG
    Erklärung bzw. Interpretation der gemachten Beobachtung(en). Es werden Schlüsse – eventuell auch unter Einbeziehung von Vorwissen oder Quellen – gezogen.
    Die Ausgangsfrage wird beantwortet bzw. die Vermutung / Hypothese erweist sich als zutreffend oder nicht zutreffend.
    Ein Ergebnis sollte nie leichtfertig formuliert werden! In manchen Fällen lässt die Beobachtung verschiedene Erklärungen zu. Diese müssen dann diskutiert werden, um zu entscheiden, wie weiter zu verfahren ist. Gleiches gilt für den Fall, dass keine zufriedenstellende Beantwortung der Frage / Vermutung / Hypothese möglich ist.
    In beiden Fällen sollten jetzt  Überlegungen erfolgen, ob z.B. weitere Experimente vorgenommen werden könnten oder müssten, um die aufgetretenen Probleme zu lösen.
  1. FEHLERDISKUSSION
    (Die Fehlerdiskussion ist zwar ein eigener Protokollpunkt, sollte aber bereits in Zusammenhang mit der Interpretation der Beobachtung(en), d.h. der Ergebnisformulierung erfolgen.)
    Kritische Rückschau in Bezug auf die Durchführung. Erklärungen möglicher Fehlerquellen, die die Beobachtung(en) und das Ergebnis verfälscht haben könnten.
    Nur so kann das Ergebnis endgültig als zutreffend angesehen werden – oder auch nicht!
    Übrigens: Einen Fehler zu machen ist zunächst einmal nicht unbedingt etwas Schlechtes! Fehler sollte man jedoch finden und korrigieren, d.h. auch daraus lernen.
  1. ENTSORGUNG
    Hinweise zur Entsorgung von Chemikalien- und/oder Materialresten. Diese sollten als eigener Punkt im Protokoll auftauchen, damit sie nicht übersehen bzw. vergessen werden.
    (Hilfen und Informationen zur Entsorgung findest du unter den Links auf dem Zusatzmaterial ZM1Sicherheit im Biologieunterricht – versteht sich von selbst!“)
IconAufgabe
  1.  Übe die Anfertigung eines Protokolls zunächst am Beispiel eines einfachen Versuches. Führe z.B. auf der Grundlage folgender Angabe den dazugehörigen Versuch durch und erstelle ein Protokoll:

Auf eine Apfelscheibe wird etwas Zucker gegeben.

  1. Naturwissenschaftler veröffentlichen ihre Ergebnisse in wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Die meistens in Englisch verfassten Artikel sind ähnlich aufgebaut wie ein wissenschaftliches Protokoll:
    „Introduction“ / „Material and methods“ / „Results“ / „Discussion“.

Ordne die Abschnitte eines Versuchsprotokolls denen einer wissenschaftlichen Veröffentlichung zu.

 

 

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